Warum schauen Models oft so griesgrämig?

Immer wieder sieht man in den verschiedensten Medien Bilder von Models, die neue Kleider vorführten. Seit langem frage ich mich, warum diese Mannequins stets so ernst, missmutig, langweilig und abstossend dreinschauen müssen. Die entsprechenden Überlegungen der Werbefachleute sind mir rätselhaft. Ich finde, der Anreiz, solche Kleidungsstücke zu kaufen, wäre bei potenziellen Käuferinnen doch weit grösser, wenn diese Damen freundlichere Gesichter und vielleicht auch ein Lächeln zeigen würden. Das wäre ein positiver Impuls für die Käuferschaft, nicht diese griesgrämigen Gesichter. Oder sehe ich das völlig falsch?

ModelIch frage mich seit wann diese neue Ästhetik des Griesgrämigen eigentlich in der Modefotografie Einzug gehalten hat. Als ich noch klein war, waren die Mannequins, die damals noch nicht Models hiessen, gross und schlank und lächelten charmant. Mittlerweile sind die Models immer noch gross und schlank – aber sie bringen tatsächlich kein Lächeln mehr über die Lippen. In der Zwischenzeit muss irgendetwas geschehen sein. Aber was?

Das Lächeln der Mannequins von früher war wie das Lächeln der Stewardessen eine Einladung: das hübsche Deux-Pièces zu kaufen bzw. mit der Swissair zu fliegen. Die hübschen Frauen verhiessen – so wie heute noch die reizenden Hostessen der Automobilsalons – ein Glück, das sich mit dem Konsum der angebotenen Ware respektive Dienstleistung einstellen würde. Wenn eine sich als Avantgarde verstehende Mode sich aus dieser Welt altbackener «falscher» Glücksversprechen emanzipieren wollte, musste sie die Ästhetik ihres Auftretens ändern. Und das hat sie getan.

Freundlich aus der Wäsche schauende, männliche wie weibliche Kleiderständer behaupten zwar weiterhin ihren Platz in den Katalogen der Versandhäuser. Sie verkörpern die U-Mode des Schönen & Bequemen & Tragbaren. In etwa haben sie den künstlerischen Wert eines gerahmten Impressionisten-Posters in der guten Stube aus dem Ikea-Katalog. E-Mode jedoch beansprucht für sich den ästhetischen Wert einer Videoinstallation oder einer Performance, deren Sinn sich nicht unmittelbar erschliesst, sondern die für den «Kenner» gemacht wird. So banausisch es ist, Kunst danach zu beurteilen, ob man sie sich gerne an die Wand hängen würde, so wenig will diese Mode danach eingeschätzt werden, ob man «so etwas» tragen würde. Sie beansprucht Autonomie und will als eigene Kunstform ernst genommen werden. Und so sehen die Models dann halt aus.

Wie ist Ihre Meinung zu der Thematik?

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