Muss es ein professioneller Fotograf sein? JA

In der alltäglichen Arbeit gibt es immer wieder einmal Diskussion mit Kunden und auch unter Kollegen, die das „Honorar“ von uns Fotografen zum Thema hat. Habe mich dazu entschieden, hier einmal darauf einzugehen um etwas Klarheit beizutragen.

Ich kann es verstehen, das in der heutigen Zeit einfach über alles gesprochen wird und es liegt mir fern eine einfache Rechtfertigung des Fotografen Honorares und das Schimpfen auf den „bösen Kunden“, der doch unbedingt gleich verstehen muss, warum professionelle Fotos eben das Kosten, was sie eben kosten einzugehen. Mir ist es wichtig zu erklären, weshalb professionelle Arbeit und professionelle Fotos oft etwas „mehr“ kosten als man eben vermutet.

Was bedeutet eigentlich „professioneller“ Fotograf?

Das Internet trägt oft dazu bei, das der Begriff „professionell“ in allen Facetten verwendet wird – und daher das ein oder andere Mal nicht im richtigen Zusammenhang verwendet wird.  Gängiger Glaube ist der, das derjenige, der sein Handwerk besser beherrscht als ein Hobbyfotograf – als Profi bezeichnet wird. Im Grund ist dies grundlegend korrekt. Meistens ist es auch so, das als „Profi“ derjenige bezeichnet wird, der seine Brötchen hauptberuflich mit der Fotografie verdient. Fotograf

 

Das bedeutet allgemein nicht das der Profi immer eine Fotografenausbildung gemacht hat

Viele Quereinsteiger, die ihr Hobby der Fotografie zum Beruf gemacht haben, beweisen  das es machbar ist, zumal es seit 2003 möglich ist hauptberuflich als Fotograf zu arbeiten, da die Berufsbezeichnung „Fotograf“ seitdem nicht mehr geschützt ist. Das heißt im Klartext, dass jeder, der sich dazu im Stande fühlt, als Fotograf arbeiten darf. Dass dies einige Vor- und Nachteile mit sich bringt, liegt natürlich auf der Hand – dies im übrigen ähnlich wie in anderen Berufen wie zB. Immobilienmakler.

In den meisten Fällen ist es jedoch so, dass man – egal ob per Ausbildung oder autodidaktisch – eine Menge Zeit und Geld investiert hat, um sich ein gewisses Maß an Fachwissen anzueignen, damit man sich vom Hobbyfotografen abgrenzt. Das „A & O “ meiner Meinung nach ist natürlich, das man eine gewisse Erfahrung aus abgearbeiteten Aufträgen hat. Denn darauf stützen Sie sich als Kunde natürlich um einen Überblick über die Qualität zu bekommen.

Aber was hat das dann mit teilweise hohen Honoraren zu tun wäre ein berechtigte Frage?!

Mir ist es wichtig zu verdeutlichen, das wir als „professionelle Fotografen“ ständig viel Zeit und Kapital investieren, um a) auf dem aktuellen Stand der Technik zu bleiben und b) unsere Qualität stets zu verbessern und zu erhalten. Dies nimmt der Kunde meist nicht direkt wahr.

Hinzu kommen gegebenenfalls noch Kosten für ein Fotostudio. Wer einmal als Kunde in einem Fotostudio war und sich in Erinnerung ruft, was da alles überall steht und hängt, der kann sich vorstellen, das man so schnell im hohen 5stelligen Bereich ist und darüber hinaus bei entsprechender Größe.  Und erst danach kommen die zusätzlichen Kosten für das Equipment.  Wenn man also wirklich professionell arbeiten möchte, muss man schon eine Menge investieren, bevor man überhaupt einen einzigen Euro verdient hat.

 

Gerade bei uns in Deutschland ist eines besonders stark verbreitet: Der Wille zum Geld sparen. Grundsätzlich bin ich ja auch ein Schnäppchenjäger und Seiten, wie geizkragen.de oder idealo.de sind schon seit Jahren fester Bestandteil meiner Browser-Lesezeichen. Was aber, wenn ich eine Dienstleistung, wie die Fotografie versuche, nur anhand der Preise zu vergleichen? Folgendes Szenario wäre vorstellbar:

Ich möchte heiraten und suche einen Hochzeitsfotografen. Am Ende möchte ich einfach alle Fotos des Tages als Fotoreportage auf DVD haben. Nun suche ich nach allen Fotografen im Umkreis und stelle fest, dass es Preise zwischen 300 und 3000 € gibt. Super, da kann ich doch den billigen nehmen, da kann ich mir den schicken Porsche als Hochzeitsauto leisten.
Der Fotograf ist auch ganz nett, versteht sich mit den Gästen und übergibt mir am Ende ca. 500 Fotos. Nur irgendwie bin ich nicht zufrieden. Der Porsche ist längst zurück gegeben und jetzt schaue ich mir die Fotos an, die mein Onkel, welcher sich anfangs auch als Fotograf angeboten hat, sicher auch so ähnlich hinbekommen hätte. Ziemlich viele Schlagschatten, öfter mal unscharfe Fotos dabei, das Ringe-Anstecken knapp verpasst… naja. Immerhin war er günstig.

Durch den steten Machtkampf und Preisverfall im Internet kostet eine gute Kamera mit einem halbwegs ordentlichen Objektiv nicht mehr die Welt. Der Einstieg in die Fotografie ist somit relativ einfach für jeden zugänglich. Allerdings wird man noch nicht zum Sternekoch nur weil man den richtigen Topf hat.

Ein Grossteil der fotografischen Arbeit macht das Auge des Fotografen – zur rechten Zeit das richtige Motiv im korrekten Licht zu „schiessen“ und dabei gleichzeitig ein Gespür für das ganze zu besitzen. Das ist die halbe Miete, hinzu kommt dann im Nachgang natürlich noch die Auswahl der richtigen Fotos und deren Bearbeitung. Die richtigen Ideen und Kreativität mal ganz aussen vor gelassen.

Worauf sollte ich nun bei der Auswahl des Fotografen achten?

Bleiben wir doch beim Beispiel des Hochzeitsfotografen. Schauen Sie sich um, wen es in Ihrer Umgebung gibt. Im Zeitalter des Internets ist das kein Problem mehr und ein Fotograf, der heutzutage keine Internetseite hat, würde ich persönlich schon mal in Frage stellen. Aus allen gefundenen Fotografen können Sie nun herausfiltern:

Gefällt mir der Bildstil?
Welchen Eindruck macht der Gesamtauftritt?
Habe ich spezielle Wünsche und Vorstellungen und traue ich es dem Fotografen zu, diese umzusetzen?
Was macht der Fotograf sonst noch, d.h. wie „professionell“ ist er?
Was gibt es sonst noch für Referenzen?
Hat man dann eine engere Auswahl getroffen, kann man sich gern das ein oder andere Angebot einholen. Das geht am besten telefonisch oder per Mail. Hier hat man nun die Chance, den Fotografen das erste Mal kennen zu lernen und kann feststellen, ob die Chemie stimmt.

FotografErst wenn dann alles passt und vielleicht noch drei Fotografen übrig sind, sollte man sich die Preise anschauen. Schließlich hat man sich nun das gewünschte „Produkt“ zusammen gestellt und kann jetzt den Preisvergleich starten. Gerade bei Hochzeitsfotos sollte sich immer bewusst sein: Die Fotos sind nicht vergänglich. Man möchte sie sich auch in 20 Jahren noch anschauen, da ist das Kleid längst nicht mehr da, die Torte längst aufgegessen und das Auto vielleicht schon auf dem Schrottplatz

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